Forschungen zur baltischen Geschichte

Seit 2006 geben Mati Laur (Universität Tartu) und Karsten Brüggemann (Universität Tallinn) in enger Kooperation mit Kollegen der Universität Lettlands in Riga ein deutschsprachiges Jahrbuch heraus, das aktuelle Forschungen zur baltischen Geschichte veröffentlicht.  Die „Forschungen zur baltischen Geschichte“ (FzbG) werden finanziell mit Mitteln aus drei Ländern getragen: Estland, Lettland und Deutschland. Seit 2006 ist es vor allem die estnische Wissenschaftsförderung, von der die Publikation getragen wird. Die Übersetzung und Redaktion von Artikeln lettischer Autorinnen und Autoren wird von der Universität Lettlands gefördert. Seit 2011 werden Redaktion und Drucklegung zusätzlich über das Nordost-Institut Lüneburg vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie von der Baltischen Historischen Kommission unterstützt.


Die FzbG verstehen sich als eine akademische Zeitschrift im Bereich der Area studies, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Austausch verschiedener nationaler Historiografien auf wissenschaftlicher Grundlage zu betreiben. Über den jeweils engen sprachlichen Rahmen der einzelnen Staaten Estland, Lettland und Litauen hinaus soll die innerbaltische fachliche Kommunikation gefördert werden. Die FzbG pflegen einen regionalen Schwerpunkt auf dem „historischen“ Baltikum (Estland, Lettland), doch ist Litauen spätestens im 20. Jahrhundert ein integraler Bestandteil „baltischer“ Geschichte. Das Spezialgebiet der baltischen Regionalgeschichte in ihren überregionalen Zusammenhängen steht somit im Zentrum des Interesses und soll mit Hilfe der FzbG einer breiteren interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.


Die Veröffentlichung dieser Zeitschrift auf Deutsch folgt einer historischen Tradition, da ein Großteil sowohl des Quellenbestands als auch der Historiographie zur Region deutschsprachig ist. Während der erste Band noch mehrheitlich Übersetzungen bereits veröffentlichter Texte beinhaltete, präsentierte der 2007 erschienene Folgeband bereits zahlreiche Originalarbeiten, deren zeitlicher Rahmen von der Frühzeit bis zur sowjetischen Herrschaftsperiode reicht. Dieses Verhältnis von Übersetzungen und Originalarbeiten hat sich im Laufe der Jahre bewährt. Die Herausgeber halten die Heranziehung von Fachleuten aus den Nachbarländern für eine ihrer wichtigsten Aufgaben, wofür auch das internationale Redaktionskollegium steht. Dabei ist vor allem an den umfangreichen Rezensionsteil gedacht, der über die wichtigsten neuesten Publikationen zur baltischen Geschichte informieren soll. Die mittlerweile erschienenen Bände demonstrieren, dass „baltische Geschichte“ heute einen wesentlichen regionalen Aspekt der Geschichte des Ostseeraums und damit ganz Europas darstellt. In diesem Sinne sieht sich die Redaktion in einem entsprechend internationalen Resonanzrahmen.